RECHTFERTIGUNGSPROBLEME DES ETHISCHEN RELATIVISMUS
DA 1998

Die vorliegende Arbeit untersucht moderne Formen des ethischen Relativismus hinsichtlich ihrer Begründungsdefizite. Das Ziel dieser Untersuchung ist eine Rekonstruktion der großen Linien der Relativismusdebatte, um einen differenzierten und reflektierten Boden zu bereiten für eine Fortführung der Diskussion, die durch dogmatische Elemente auf beiden Seiten zu stagnieren droht - nicht nur seitens konkreter dogmatischer Entwürfe, die sich tendenziell einer Diskussion verschließen, sondern auch auf der Seite derer, die die Möglichkeit solcher Entwürfe mit dem Verweis auf verabsolutierte relativistische Konzepte (selbst im Kleide postmodern-chronischer Ironie) prinzipiell in Abrede stellen.

Als skeptische Theorie spielte der ethische Relativismus immer eine bedeutende Rolle in der Tradition der normativenen Ethik, als Antagonist vor allem, und Motor. Eine Analyse nach den Gesichtspunkten seiner Form und Funktion soll die Vielfalt an unterschiedlichen relativistischen Positionen der jüngeren Vergangenheit aufzeigen und ihre Reichweite, ihre Begründungsdefizite und legitimen Konsequenzen skizzieren.

Im 20. Jahrhundert waren drei Varianten des ethischen Relativismus vorherrschend: der deskriptiv-ethische Relativismus, der normativ-ethische Relativismus und der meta-ethische Relativismus. Durch den Verweis auf ihre Rechtfertigungsprobleme soll gezeigt werden, dass keine dieser Varianten die normative Ethik beendet; genauer: das keine dieser Varianten die prinzipielle Unmöglichkeit einer objektiven Begründung von ethischen Urteilen schlechthin beweisen kann. Auf der Grundlage dieses Befundes - ein Patt gleichsam, aber mit Eröffnungscharakter - können wir weiterhin nach einer verbindlichen Methode der Rechtfertigung von Werten suchen. Und das ist heute, so scheint es, eines der dringlichsten Desiderata, wenn wir die „humanistischen Werte der westlichen Welt“ nicht einfach als Dogmen exportieren wollen.

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